Instant Payment kommt 2018 – zahlt es sich aus?

Am 13. Januar 2018 tritt die erwei­terte Zahlungs­dienste-Richt­linie der EU, die PSD2, in Kraft. Sie bringt für die Banken die Verpflichtung mit sich, Instant Payments – Zahlungen in Echtzeit – europaweit zur Verfügung zu stellen. Das Geld muss innerhalb von 10 Sekunden den Besitzer gewechselt haben und der Service 365÷24÷7 verfügbar sein. Was bedeutet das für Finanz­in­stitute, den Handel, die Verbraucher und Unter­nehmen? Was sind die Heraus­for­de­rungen? Was die Möglich­keiten? Und welche Rolle können Dritt­an­bieter von Bezahl­lö­sungen wie Payment Service Providers (PSPs) und Payment Initiation Service Providers (PISPs) bei der erfolg­reichen Umsetzung der Richt­linien im Online- und POS-Handel spielen. Interview mit Dirk Wonka, Payment Garage GmbH, einem Anbieter von innova­tiven Cross-Channel- und Cross-Border-Bezahl­lö­sungen.

Herr Wonka, wer braucht Instant Payment? Und warum?
Dirk Wonka: Wenn es gut aufge­setzt ist, ist Instant Payment für alle eine sehr gute Angele­genheit. Verbraucher können auch an Sonn- und Feier­tagen sehr schnell dringende Überwei­sungen online tätigen, so dass Termine und Fristen nicht überschritten werden. Händler und Unter­nehmen kommen schneller und wesentlich sicherer an ihr Geld, wodurch ihre Liqui­dität steigt. Und Banken können ihr Service-Portfolio erweitern und sich mit einer verbes­serten Kunden­er­fahrung Wettbe­werbs­vor­teile verschaffen. Überhaupt sind Cut-Off-Zeiten und fixe Öffnungs­zeiten im digitalen Zeitalter immer schwerer vermit­telbar. Die Menschen sind zunehmend gewohnt, dass die Dinge zeitnah und direkt erledigt werden können. Wer am POS oder im Netz eine positive Customer Experience liefern will, kommt und Innova­tionen die Instant Payment nicht herum.

Warum kann man nicht schon seit langem überall in Echtzeit bezahlen?
Dirk Wonka: Das hat viele Gründe. Zum einen reicht es nicht, nur nationale Systeme zu imple­men­tieren. Angesichts des Wachstums an grenz­über­schrei­tenden Zahlungen – Cross-Border-Payments – müssen inter­na­tionale Standards geschaffen werden, um intel­li­gente und effiziente Instant Payment-Lösungen zu ermög­lichen. PSD2 auf SEPA-Basis schafft eine neue Grundlage für eine europäische Payment-Lösung. Zum anderen ist es nötig, dass innovative Player die Banken bei der Lösung der techno­lo­gi­schen Heraus­for­de­rungen beim Instant Payment unter­stützen können. Mit PSD2 wird der Markt für Dritt­an­bieter wie Payment Initiation Service Providers und Account Infor­mation Service Providers geöffnet. Finanz­in­stitute müssen nun Schnitt­stellen (APIs) bereit­stellen, mit denen Dritt­an­bieter, natürlich autori­siert, Zugriff auf Konten ihrer Kunden bei der jeweils Konto­füh­renden Bank erhalten. Das wird nun unter­stützt und eröffnet allen Teilnehmern viele Möglich­keiten.

Was haben Banken von dem neuen Angebot?
Dirk Wonka: Die Banken können nun ihre Omni-Channel-Fähig­keiten erhöhen, also ihren Kunden Zugang zu allen möglichen Zahlungs­me­thoden bieten. Das beinhaltet auch solche, die über die klassi­schen Electronic Banking-Anwen­dungen hinaus­gehen. Das Service­an­gebot kann innova­tiver und leistungs­fä­higer gestaltet werden.

Wie können Händler von Instant Payment profi­tieren?
Dirk Wonka: Hier sind quali­fi­zierte und versierte Payment Service Provider (PSPs) gefragt, die die Lösungen nicht nur anbieten, sondern auch Orien­tierung bieten und sicher­stellen, dass wirklich tragfähige, effiziente und sichere Lösungen zur Anwendung kommen. Nicht nur beim Instant Payment stehen Händler vor der Heraus­for­derung, dass es eine unüber­sicht­liche Zahl an Anbietern und Bezahl­lö­sungen gibt. Hier muss Trans­parenz geschaffen werden, zum Beispiel über eine Online-Plattform wie die von Payment­Garage, die mit automa­ti­sierten Prozessen die Komple­xität der Entscheidung und bei den Abschlüssen reduziert.

Was muss eine tragfähige Lösung beinhalten?
Dirk Wonka: Händler müssen in die Lage versetzt werden, ihren Kunden eine einheit­liche Customer Experience zu bieten – und zwar auf allen Verkaufs­ka­nälen. Zahlungen in Echtzeit müssen so aufge­setzt sein, dass sie nicht nur an der Laden­kasse möglich sind, sondern auch im Online-Shop. Und bei der Rückgabe im Shop muss auch die Gutschrift in Real-Time erfolgen. Es muss für Händler also eine zentrale Plattform geschaffen werden, die alle Bezahl­arten integriert und die sicher und reibungslos mit den Schnitt­stellen der Konto­füh­renden Banken funktio­niert. Hierfür haben wir bereits alles Nötige an den Start gebracht.

Wird die Markt­ein­führung drama­tische Verän­de­rungen im Payment-Mark bringen?
Dirk Wonka: Gängiges Online-Banking und das Bezahlen über Terminals werden weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Besonders am POS dominieren heute noch Plastik­karten und Chips. Ich rechne damit, dass Instant Payment eine von vielen Möglich­keiten sein wird, zu bezahlen. Vor allem wird es darauf ankommen, dass eine möglichst große Zahl von Banken grenz­über­schreitend an dem System teilnimmt. Die neuen Richt­linien der EU und der EZB haben hier eine gute Grundlage geschaffen.

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